Stefan Sachs
Dr. Ing.
Beratender Ingenieur
   
Entwurf und Implementierung von Bedienoberflächen

Die Kommunikation mit einem Gerät erfolgt über eine Sprache, nicht unähnlich unserer Alltagssprache. Die Vokabeln entsprechen den Bedienelementen, die Syntax beschreibt die möglichen Betätigungsabläufe.
Sprachen sind dann leicht zu erlernen, wenn die Vokabeln leicht zu erinnern sind, weil sie z.B. Bekanntem  aus der Muttersprache gleichen, ihr Klang den Begriff nachahmt oder weil sie aus bekannten Elementarbegriffen auf nachvollziehbare Weise zusammengesetzt sind.
Sprachen sind leicht zu erlernen, wenn ihre Syntax gleichartig aufgebaut ist, keine Ausnahme aufweist und nur so umfangreich ist, daß die im Sprachgebrauch erforderliche Differenzierung ohne umständliche Umschreibungen gewährleiste ist.
Überall dort, wo effiziente Kommunikation überlebenswichtig ist, entwickelt sich eine Ökonomie der natürlichen Sprache, die diesen Anforderungen genügt (Seefahrt, Militär, Operationssaal).

Ob ein Gerät einfach oder schwer zu bedienen ist, hängt davon ab, ob die Bedienelemente eindeutig und die Abläufe erkennbar und leicht zu erinnern sind. Es gelten dieselben Regeln wie für die Erlernbarkeit von Sprachen. Daraus lassen sich Grundanforderungen für leicht zu erlernende Bedienoberflächen ableiten:

  • Bedienelemente mit eindeutig erkennbarer Funktion: Bedeutung vermittelt über kurze, eindeutige Texte oder klare Piktogramme (am besten solchem, die bereits eingeführt sind). Art der Bedienung (drücken, drehen, schieben) anhand der Form verdeutlichen. Eingeführte Abstraktionen nutzen (z.B. WIMP).
  • Eindeutige, sichtbare Reaktion auf Eingaben (entsprechend Kommunikationsprotokollen), wichtig hierbei auch eindeutige, negative Rückmeldungen bei inkonsistenten Eingaben.
  • Gleichartige Abläufe für gleichartige Vorgänge. Abläufe, die aus mehreren Schritten bestehen sollen immer einen eindeutigen Ausgangs- und Endzustand haben; notwendige Zwischenzustände sollen immer erkennbar sein und nicht abgeschlossene Abläufe sollten so abgebrochen werden können, daß der Ausgangszustand wieder erreicht wird. Zusammenfassungen von Bedienschritten (Shortcuts) sollten nicht zu Zwischenzuständen führen.
  • Weil Bedienabläufe Sprachen ähnlich sind, lassen sich die gut erforschten formalen Beschreibungen für Sprachen mit Gewinn für die Gestaltung von Bedienungen nutzen. Was sich mit einer formalen Grammatik leicht beschreiben läßt, ist auch leicht zu verstehen und zu erinnern; was sich der formalen Beschreibung widersetzt, ärgert auch den Benutzer.

Diese Empfehlungen mögen auf den ersten Blick trivial wirken; wie aufwendig und komplex die Optimierung einer Bedienoberfläche sein kann, weiß jeder, der ein solches Projekt durchgeführt hat.
Verständnis für die inhaltlichen Anforderungen des Benutzers, Erfahrung in der Gestaltung von Oberflächen und Abläufen, Geduld und sorgfältige Erprobung von Varianten führen zu besseren Geräten. Wenn dann noch ein effizientes Werkzeug für die Erstellung der Prototypen eingesetzt wird, dann kann mit vertretbarem Aufwand eine optimierte Bedienoberfläche umgesetzt werden, die Ihre Kunden überzeugt.
 

 
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